Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Was wäre, wenn...

Mit Anton Mikoleit vom Netzwerk BNE & Globales Lernen haben wir über Bildung für nachhaltige Entwicklung gesprochen. Für Viele ist vermutlich offensichtlich, warum Bildung und Nachhaltigkeit zusammengehören – doch es geht um weit mehr als die offensichtlichen Aspekte des Umweltschutzes. Was Bildung mit Menschenrechten, und was Menschenrechte mit Nachhaltigkeit zu tun haben, ist nur eine Frage des Interviews.

Hier kannst du dir die gesamte Folge mit Anton anhören >>

Was bedeutet Bildung für nachhaltige Entwicklung?

Eine konkrete Definition oder ein eindeutiges Verständnis für den Begriff gibt es nicht so wirklich. Laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung geht es darum, „Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln zu befähigen“. Anton merkt an, dass es mehrere verschiedene Herangehensweisen an BNE gibt, so z.B. aus der Umweltbildung, in der die Umwelt und der Umweltschutz im Mittelpunkt stehen, aber auch aus dem Globalen Lernen. Dabei geht es vor allem um komplexe, globale Zusammenhänge. Auch der politische Bildungsbereich ist Teil der Idee von BNE. Das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung kombiniert diese (Teil-) Bereiche, um eine möglichst nachhaltige Zukunft gestalten zu können. Das bedeutet, dass soziale, kulturelle, wirtschaftliche und Umweltgerechtigkeit den höchsten Stellenwert einnehmen.

Anton Mikoleit
Anton Mikoleit (Foto von Anne-Lena Cordts)

Was ist der Unterschied zwischen Bildung für nachhaltige Entwicklung und Globalem Lernen?

In Antons Perspektive ist Globales Lernen ein Teilaspekt der BNE, in der ein besonderer Fokus auf globale Gerechtigkeit liegt. Beim Globalen Lernen geht es daher darum, was wir persönlich für mehr globale Gerechtigkeit tun können. Was schon Mareike von Students For Future in unserer letzten Episode zur Klimaneutralität und Lisa Buddemeier in der Folge zur Gemeinwohlökonomie (hier lang zum Anhören >>) sagten, spielt auch hier wieder eine große Rolle: Dein und mein Bewusstsein, dass unser lokales Verhalten hier in Kiel auch Auswirkungen auf Menschen in weit entfernten Ländern hat.

Welche Bereiche beinhaltet Bildung für nachhaltige Entwicklung?

Anton spricht vom Dreiklang von Kopf, Herz und Hand. Der Kopf symbolisiert das kognitive Lernen, also das aktive Lernen mit Verstand und die Verarbeitung von Informationen. Das Herz meint die Fähigkeit und Bereitschaft, Gefühle zuzulassen und über diese zu sprechen, sowie die Emotionen anderer Personen zu erkennen und nachempfinden zu können (das nennt man auch Empathie). In der Idee von BNE spielt aber auch die Hand, also die Handlungsdimension eine große Rolle, die in allen Bereichen mitgedacht wird.

Warum ist Bildung für nachhaltige Entwicklung so wichtig?

Die Vereinten Nationen haben mit ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, kurz SDGs) eine umfangreiche Agenda mit Zielen vorgestellt, die bis 2030 erreicht werden sollen.

Die 17 SDGs
Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung bis 2030

Qualitativ hochwertige Bildung ist mit Ziel Nummer 4 eindeutig festgeschrieben, und unter den Indikatoren für die Erreichung dieses Ziels steht auch Bildung für nachhaltige Entwicklung im Fokus. Hinter all diesen Zielen stehen auch Werte, die für alle Menschen weltweit gelten (sollten), und die mit Hilfe von BNE vermittelt und gelebt werden können. Als Beispiel hierfür nennt Anton die universellen Menschenrechte, die politisch und ökonomisch nicht immer geachtet sind. BNE rückt diese dann wieder in den Fokus. Es geht im Endeffekt darum, dass „die Gesellschaft“ (lokal, national und global) sich als „lernenden Organismus“ versteht. Jede:r Einzelne soll sich damit beschäftigen, was ihre:seine tiefere Absicht im Leben darstellt. Was willst du persönlich erreichen, um unsere Welt ein kleines bisschen besser zu machen?

Was braucht es auf dem Weg vom aktuellen Bildungssystem hin zu einer Bildung für nachhaltige Entwicklung?

Allen voran braucht es aus Antons Perspektive mehr Freiräume, um persönliche Interessensgebiete zu finden. Schüler:innen bekommen im Kontext der nachhaltigen Entwicklung die Möglichkeit, frei und individuell diese Räume zu gestalten. Damit können dann speziell die Handlungskompetenzen, die für die Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft notwendig sind, auf kreative Art und Weise erlernt werden. Die wohl wichtigste Forderung ist hier, dass BNE stärker im Bildungsplan verankert wird. So kann Lehrer:innen der Raum zugesichert werden, diese notwendigen Freiheiten zu schaffen.

Für Anton ist es außerdem extrem wichtig, Bildung aus dem Klassenzimmer heraus zu tragen, in die ‚Realität‘. So ist Wissen nicht nur theoretisch an der Tafel erklärt, sondern wird aktiv erlebt und erlernt.

Was kann Bildung für nachhaltige Entwicklung erreichen?

BNE vermittelt handlungs- und urteilsorientierten Kompetenzen. Das fördert das kritische Denken und Hinterfragen von unserem individuellen Weltbild und gesellschaftlichen Prozessen. Dadurch können wir uns „leichter“ die Frage stellen, ob wir mit den aktuellen Gegebenheiten und Prozessen zufrieden sind, was unsere Werte sind und ob unser Handeln mit diesen Werten in Einklang steht.

Auch kann BNE einen Beitrag zu dem Bewusstsein leisten, dass wir Menschen nicht getrennt von der „Natur“ betrachtet werden können. Wir sind Teil der Natur, und wir sind abhängig von der Natur. Durch die aktive Vermittlung dieses Werts wird unser Verhalten gegenüber der Umwelt stark beeinflusst, und kann sich quasi ‚automatisch‘ hin zu mehr Umweltschutz und Wertschätzung der natürlichen Umgebung entwickeln. Uns wird dadurch vor Augen geführt, was unser lokales Handeln global betrachtet für Auswirkungen hat, sodass wir uns unserer Verantwortung bewusst werden (können).

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