Kieltopia – der Zukunftspodcast

Klimaneutralität an Hochschulen - Wie Unis das Klima schützen können

Was wäre, wenn...

Was haben Hochschulen mit Klimaneutralität zu tun?

Darüber haben wir in unserer vierten Episode mit Mareike Staudacker gesprochen. Sie ist selbst Studentin an der Fachhochschule Kiel und setzt sich im Rahmen von Students for Future, einer Hochschul- und Arbeitsgruppe von Fridays for Future, in ihrer Freizeit für eine nachhaltige Zukunft Kiels ein. Im Interview gab sie spannende Einblicke, inwiefern Hochschulen sich bereits für Nachhaltigkeit einsetzen und welche konkreten Forderungen sie und Students for Future an Hochschulen haben, um diese klimaneutral zu gestalten.

Hier kannst du dir die Folge und das ungekürzte Interview mit Mareike anhören >>

Was bedeutet Klimaneutralität?

Beim Thema Klimaneutralität geht es konkret um unsere Treibhausgasemissionen. Das sind Gase, die den Treibhauseffekt und damit den Klimawandel direkt vorantreiben. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass wir diese Treibhausemissionen stark reduzieren müssen, um den Klimawandel aufzuhalten bzw. zu verlangsamen. Klimaneutralität ist dann erreicht, wenn die verursachten Treibhausgasemissionen gleich Null sind.

Wie kann Klimaneutralität erreicht werden?

Zur Einsparung von den Treibhausgasemissionen gibt es einmal die Möglichkeit, diese Emissionen zu senken, z.B. durch Energieeinsparungen. Hier spricht Mareike von vermeidbaren Emissionen. Ein Teil unserer Emissionen ist aber unvermeidbar. Diese müssen daher kompensiert – ausgeglichen – werden. Das kann z.B. mithilfe von CO2 Speicherung erreicht werden. Ein lokales Beispiel, das Mareike hier nennt, ist die Aufforstung von Mooren in Schleswig-Holstein. Diese können sogar mehr CO2 binden als Wälder und sind damit höchstrelevant bei der Kompensation von Emissionen.

Klimaneutralität und Klimagerechtigkeit

Students for Future betont, dass wenn wir über Klimaneutralität reden, immer auch Klimagerechtigkeit Thema sein muss. Das bedeutet, nach dem sogenannten  Verursacher*innen-Prinzip zu bewerten: Die Verantwortung für den Emissionsausgleich – oder dessen Vermeidung im ersten Schritt – liegt bei denjenigen Unternehmen/Staaten/Menschen, die den Ausstoß der Emissionen verursacht haben.

Mareike Staudacker
Mareike Staudacker von Students For Future Kiel

Was haben Hochschulen mit Klimaneutralität zu tun?

Students for Future sieht Hochschulen aufgrund von zwei Aspekten in der Verantwortung, sich für Klimaneutralität einzusetzen. Zuallererst seien Hochschulen auf Basis des Versursacher*innen-Prinzips (s.o.) in der Verantwortung, denn die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) ist z.B. einer der größten Energieverbraucher in ganz Kiel. Eine noch größere Verantwortung sieht Mareike allerdings auch in der Vorbildfunktion von Hochschulen für zukünftige Generationen. Denn Studierende verbringen, wenn nicht gerade eine Pandemie herrscht, einen Großteil ihres Alltags auf dem Campus. Hochschulen sind damit prägende Institutionen für junge Menschen. 

Das können Hochschulen konkret tun

„Ich möchte wirklich alle nur dazu ermutigen, euer Recht in Anspruch zu nehmen, diese Gesellschaft mitgestalten zu dürfen.“

Mareike nennt ganz konkrete Forderungen, die sie und Students for Future an Hochschulen stellen, um sich in Richtung Klimaneutralität zu bewegen.

Auf der einen Seite sind das strukturelle Veränderungen wie z.B. die Sanierung von Gebäuden mit großem Energieverbrauch. Zusätzlich sieht Mareike großes Potential in einer Mobilitätswende an Hochschulen hin zu komfortablerem ÖPNV und Fahrradverkehr. Ersterer kann z.B. auch für Mitarbeitende der Hochschulen günstiger oder kostenlos werden. Er kann ausgeweitet werden und es können Knotenpunkte entstehen, die das Umsteigen und Wechseln von Verkehrsmitteln vereinfachen. Ziel ist hier, dass der ÖPNV bequemer als der Individualverkehr mit dem Auto ist. Besonders in Richtung FH Kiel sieht Mareike Bedarf im Ausbau einer Fahrradstrecke, z.B. in Form einer neuen Veloroute.    
Auch Dienstreisen fallen unter den Mobilitätsaspekt. Zwar ist zu vermuten, dass zukünftig mehr Veranstaltungen digital stattfinden, Mareike betont aber, dass nicht alle Dienstreisen in der Forschung vermeidbar sind. Diese Treibhausgasemissionen außerhalb des Hochschulcampus dürfen nicht unberücksichtigt bleiben.

Neben strukturellen Veränderungen fordert Students for Future vor allem mehr Demokratie an Hochschulen. Durch die (z.B. finanzielle) Förderung von Mitgestaltungsmöglichkeiten für Studierende sieht Mareike enormes Potential für mehr Sinnhaftigkeit in Engagement im Hochschulkontext und damit auch eine zunehmende Mitgestaltung der Zukunft von Hochschulen und der Gesellschaft insgesamt.

Alles schlecht?

Hier ist aber auch zu betonen, dass es bereits tolle und vielseitige Angebot für Studierende gibt, sich an der Hochschule für Nachhaltigkeit einzusetzen. In dem vielfältigen Angebot an Hochschulgruppen findet z.B. sicherlich jede:r ein Herzensthema, für das er:sie sich einsetzen möchte.

Generell fordert Students for Future mehr konkrete Konzepte wie z.B: Nachhaltigkeitsstrategien seitens der Hochschulen. Im Rahmen dieser muss zu Beginn der Status quo bestimmt werden und mithilfe einer Machbarkeitsprüfung konkrete Ziele und Maßnahmen bestimmt werden, die Hochschulen transparent kommunizieren und durchsetzen. Wichtig ist Students for Future hier, dass alle vier Nachhaltigkeitsdimensionen –  die soziale, kulturelle, ökonomische und die ökologische – berücksichtigt werden und daraus resultierende notwendige Kompetenzen zusammengebracht werden.

„Wir brauchen Nachhaltigkeitsbüros!“

Stichwort Transparenz: Students for Future fordert hier klar, dass Hochschulen alle zwei Jahre einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen. Denn Hochschulen sind aktuell zu keinerlei solchen Berechnungen oder Berichten verpflichtet. Grund dafür ist, dass Nachhaltigkeit bisher kein fester Bestandteil des Hochschulgesetzes ist. Das muss sich schleunigst ändern, so Mareike.

In Bezug auf Das Ziel der Klimaneutralität müssten Hochschulen nach einer solchen Berechnung vermeidbarer Emissionen dann klare Bestimmungen zur Einsparung vermeidbarer und Kompensierung unvermeidbarer Emissionen treffen. Eine lokale Möglichkeit, die Mareike hier nennt, sind grüne Ausgleichsflächen auf dem Campus, die zusätzlich einErholungsort für Studierende darstellen können.

Die CAU geht mit gutem Beispiel voran

Ein tolles Beispiel, wie Nachhaltigkeit zentraler Bestandteil der Hochschulpolitik sein kann und wie ein Prozess der Machbarkeits-, Ziel und Maßnahmenbestimmung aussehen kann, ist das Klimakonzept „Klik“ der CAU. Das angestrebte Ziel der CAU ist es, mithilfe dieses Konzeptes bis 2030 Klimaneutralität zu erreichen.

Im ersten Schritt wurde dafür z.B. geprüft, wo Energie eingespart werden muss und im nächsten, welche konkreten Lösungen es zur Einsparung gibt. Dabei hat die CAU festgestellt, dass die Kosteneinsparungen langfristig die Projektkosten für die Implementierung sogar übertreffen! Quasi eine win-win Situation.

Außerdem hat die Berechnung ergeben, dass durch Einsparmaßnahmen etwa 80% der Treibhausgasemissionen der CAU eingespart werden können. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die CAU die restlichen 20% kompensieren muss.          

Das zeigt, dass eine solche Berechnung nicht nur Transparenz schafft, sondern sich daraus auch klare Schritte ableiten lassen, die eine Hochschule gehen muss.

Alle wichtigen Links

  Students for Future Kiel

https://studentsforfuture-kiel.de/
https://www.instagram.com/kiel.studentsforfuture
https://www.facebook.com/studentsforfuturekiel/

  Fridays for Future Kiel

https://fridaysforfuture.de/ortsgruppen/kiel/

  Klimakonzept 2030 der CAU (klik)

https://www.klik.uni-kiel.de/

  Moorfutures:

https://www.moorfutures.de/