Lebensmittel retten mit ResteRitter - Lebensmittelverschwendung den Kampf ansagen

Lebensmittel retten mit ResteRitter

Es ist ein Problem, von dem wir alle schon gehört haben: Täglich landen tonnenweise Lebensmittel im Müll. Diese Verschwendung ist nicht nur heikel, wenn wir über Ressourcen und Energie reden, sondern auch im sozialen Kontext. Wie ResteRitter Lebensmittel retten und dabei doppelt Gutes tun, hat uns Moritz erzählt.

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Wer sind ResteRitter?

Ende 2017 hat Moritz gemeinsam mit Nick und Oke aus dem Studium heraus das Projekt gegründet, weil sie schockiert waren von unserem Umgang mit Lebensmitteln. Sie haben es sich mit ResteRitter zur Aufgabe gemacht, Lebensmittel zu retten, zu verwerten und die Gesellschaft zu mehr Wertschätzung unserer Lebensmittel zu inspirieren.

Moritz ResteRitter

Lebensmittel retten mit den ResteRittern – wie funktioniert‘s?

Die ResteRitter sammeln hauptsächlich Obst und Gemüse von Großhändler:innen ein, die nicht mehr verkaufsfähig sind – sei es aufgrund von Schönheitsmakeln oder dem fast erreichten Mindesthaltbarkeitsdatum. Auch von Kleingärtner:innen sammeln sie Übriggebliebenes ein, was sonst auf dem Kompost landen würde. Diese geretteten Lebensmittel verarbeiten ResteRitter dann zu leckeren Chutneys, Fruchtaufstrichen und Säften, und machen sie damit sogar noch länger haltbar. Diese kann man mittlerweile in vielen Lebensmittelgeschäften in und um Kiel kaufen, oder auch im Online-Shop.

Das Paradox: Lebensmittelverschwendung vs. Kinder ohne warmes Mittagessen

Pro verkauftem Produkt geht eine Spende an die Stiftung Mittagskinder

Die ResteRitter tun sogar doppelt Gutes! Ihnen ist es wichtig, nicht nur die Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren, sondern auch, allen Kindern ein warmes Mittagessen garantieren zu können. Pro verkauftes Glas Chutney oder Fruchtaufstrich geht deshalb 1€ an die Stiftung Mittagskinder, die allen Kindern eine warme Mahlzeit in der Schulmittagspause auftischen wollen.

Was Hunger mit Bildung zu tun hat

Kaum eine:r von uns kann sich vorstellen, was es eigentlich bedeutet, wirklich Hunger zu haben. Besonders für Kinder, die für eine angemessene Entwicklung viele Nährstoffe brauchen, ist eine ausgewogene und gesunde Ernährung enorm wichtig. Wer Hunger hat, kann sich schlichtweg nicht gut konzentrieren, kann nicht gut lernen – und schlechte Bildung ist eine der Hürden, die es zum Überkommen der Armut zu überkommen bedeutet.

Von Schulworkshops bis Schnibbel-Partys – wie ResteRitter für das Thema sensibilisieren

Vor der Corona-Pandemie konnte man die ResteRitter auf vielen großen Veranstaltungen antreffen: Von riesigen Schnibbel-Partys auf der Kieler Woche bis zu Koch-Workshops in Schulen ist das Engagement kaum zu übertreffen. Auch Caterings und Weihnachtsfeiern können die Jungs organisieren – die Motivation, gegen Lebensmittelverschwendung zu kämpfen und Lebensmittel zu retten, ist richtig ansteckend!

Mit Chutney als Geschenk auf Verhalten hinweisen

Fun Fact am Rande: Die Produkte eignen sich auch hervorragend als Geschenk! Man verschenkt was Leckeres zu Essen, und weist den:die Beschenkte:n freundlich darauf hin, den Umgang mit Lebensmittel zu überdenken 🙂 „So können wir die Botschaft überbringen“, dass Lebensmittelverschwendung ein ernstzunehmendes Problem ist, „und dann (hoffentlich) auch zum Umdenken anregen.“

„Mit unseren Produkten als Geschenk kann man auch eine Botschaft überbringen und zum Umdenken anregen.“

Nachhaltig durch und durch

Natürlich gelten auch für die ResteRitter die mitunter strengen Regeln des Gesundheitsamts für die Lebensmittelverwertung. Anstelle einer eigenen Küche, die den Auflagen der Behörden entsprechen muss, nutzen die ResteRitter bereits abgenommene Küchen – anfangs durch die AWO in Gaarden zur Verfügung gestellt, und nach Corona auch wieder in einer Schulküche, die sie abends und an den Wochenenden nutzen dürfen. Sie nutzen damit Leerstand, was besonders am Anfang auch die Kosten sehr gering hielt, die Produkte noch nachhaltiger macht und die Auslastung der Küchen und Ressourcen verbessert.

Wie wir Lebensmittelverschwendung lösen können

In Deutschland kommen über 50% der Lebensmittelabfälle aus privaten Haushalten! Das ist auf der einen Seite total erschreckend, auf der anderen Seite, sagt Moritz, können wir das aber auch positiv sehen: Wo wir bei anderen Problemen oftmals ohne politische und/oder globale Lösungen nicht wirklich weiterkommen (z.B. Klimawandel), haben wir es bei der Frage der Lebensmittel wirklich selbst in der Hand. Lebensmittel landen ja aus verschiedensten Gründen im Müll – wir haben vielleicht zu viel gekocht, zu viel eingekauft, wissen nicht mehr, was wir mit Resten anfangen sollen. Dass wir immer weniger Zeit haben, hilft unserer Kreativität in dieser Hinsicht auch nicht gerade. Aber auch hierfür geben ResteRitter mit ihren Produkten und Events Inspiration, wie man übrig gebliebene Lebensmittel doch noch zu leckeren Mahlzeiten verarbeiten kann.

Die Kraft der Kreativität

Aus diesem Grund sieht Moritz besonders die Workshops in Schulen als so wichtig an. Viele Kinder hatten noch nie die Chance, selbst in der Küche tätig zu werden; auszuprobieren, was ihnen schmeckt. Wenn wir bei den Kleinsten in der Gesellschaft anfangen, Lebensmittel und ihre Verwendung zu thematisieren, Kinder mit Wissen und Selbstvertrauen in der Küche auszustatten, können wir schon einen großen Schritt hin zu weniger Verschwendung und mehr Lebensmittelrettung und -wertschätzung schaffen.

Was jede:r Einzelne tun kann

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Nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, heißt das nicht, dass das Lebensmittel nicht mehr genießbar ist. Wir müssen wieder lernen, unseren Sinnen zu vertrauen – Sieht es noch gut aus? Riecht es noch gut? Dann mal ein bisschen probieren – schmeckt es noch normal? – Du hast alle Fragen mit ‚Ja‘ beantwortet? Glückwunsch – dein Essen ist noch wunderbar genießbar!

Du hast 2 Karotten und eine halbe Paprika übrig und weißt nichts damit anzufangen? Frag‘ mal deine Nachbar:innen, ob es ihnen ähnlich geht. Organisiert eine Flur-Schnibbel-Party und kocht zusammen. Damit rettest du nicht nur Lebensmittel, sondern lernst auch noch deine Nachbar:innnen kennen.

Auch die eigenen Ansprüche zu hinterfragen ist Moritz wichtig: Muss jeder Bäcker wirklich bis 18Uhr noch volle Auslagen haben? Kann nicht auch mal etwas ausverkauft sein?…

Und falls dir noch dein Aha-Erlebnis fehlt – bei den ResteRittern die Menge an geretteten Lebensmitteln zu ‚bestaunen‘ kann Wunder wirken – und Unterstützung ist immer willkommen! 🙂

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