Zero Waste - Müllvermeidung gleich null Müll?!

Wir freuen uns sehr, dass du den Weg zu unserem Podcast und zu dieser Website gefunden hast! Wir sind direkt mit einem Thema in unser Podcast-Projekt gestürzt, dass viele Menschen beschäftigt und mit dem jede:r Einzelne von uns täglich in Berührung kommt: Müllvermeidung! Aber bedeutet Zero Waste wirklich null Müll?

Hier kannst du dir die erste Folge anhören >>

Wer, wie, was, warum?

Von den ganz offensichtlichen Vorteilen von Müllvermeidung für die Umwelt mal abgesehen (wie oft haben wir schon Bilder von Seepferdchen mit Wattestäbchen oder Schildkröten mit Strohhalmen gesehen?!), kann man sich auch ganz pragmatisch dem Thema nähern: Endlich seltener den Müll rausbringen zu müssen, scheint doch auch wie ein erstrebenswertes Ziel.

Für unser Interview haben wir uns dazu mit Marie Delaperrière unterhalten, die im Jahr 2014 den ersten Unverpackt-Laden Deutschlands hier in Kiel eröffnet hat, und damit die perfekte Gesprächspartnerin zum Thema Zero Waste und Müllvermeidung für uns schien. 

Hier kannst du dir die Folge mit Marie anhören >>

Der Kern der Sache: Was bedeutet Zero Waste?

Aus dem Englischen übersetzt bedeutet „Zero Waste“ so viel wie „Null Müll“. Marie beschreibt es – passend zu unserem utopischen, visionären Podcast-Projekt – als eine Vision, in der es keinen Müll mehr auf der Erde gibt. Man könnte es also auch als eine (Lebens-)Philosophie beschreiben, die durch die Intention geprägt ist, keinen bzw. möglichst wenig Müll zu produzieren. 

Unverpackt einkaufen - wie funktioniert's?

Maries Unverpackt-Laden – und die vielen weiteren, die ihrem Beispiel gefolgt sind – sind vorranging Lebensmittelläden, die ohne Einwegverpackungen aus Kunststoffen auskommen. Mit den eigenen Behältern ausgestattet betrittst du Maries Laden und staunst über die mittlerweile über 1000 Produkte, die dort angeboten werden. Vor dem Abfüllen an den einzelnen Schaufel-Behältern oder „Zapfsäulen“ wiegst du die mitgebrachten Behälter auf der Waage im Eingangsbereich. Das Leergewicht wird dann an der Kasse abgezogen, sodass du wirklich nur für den Inhalt bezahlst. Das funktioniert so mit den Lebensmitteln, aber auch mit den vielen Kosmetik- und Drogerieartikeln, die du im Unverpackt findest.

unverpackter Einkauf
Gläser und Behältnisse, die wir im unverpackt Laden von Marie mit Leckereien gefüllt haben

Welche Vorteile hat unverpacktes Einkaufen?

Ganz klar: du vermeidest unnötiges Einwegplastik, um das du beim Einkauf im ‚normalen‘ Supermarkt leider bisher kaum herumkommst, und schützt damit die Umwelt und die Ozeane vor noch mehr Plastikmüll. Es gibt aber noch mindestens einen weiteren Pluspunkt, den Marie in unserem Podcast angesprochen hat: Du beschäftigst dich aktiv mit den Mengen, die du einkaufst, und trägst so auch zur Verringerung der Lebensmittelverschwendung bei.

Unverpackt einkaufen und Corona

Oft begegnet man dem Vorurteil, dass unverpacktes Einkaufen unhygienisch sei – schließlich kauft man ja „lose Ware“. Wenn du unverpackt einkaufst, berührst du allerdings zu keiner Zeit die Lebensmittel mit den eigenen Händen, da du diese direkt aus den Zapfsäulen oder den Schaufeln in deine Behältnisse füllst (die Schaufeln werden nur einmal benutzt; dann werden sie gereinigt). Und auch die Mitarbeitenden im Unverpackt-Laden berühren weder deine Behältnisse (da du diese eigenständig auf die Waage an der Kasse stellst), noch die Lebensmittel. Bei genauerer Betrachtung ist das Einkaufen im Unverpackt also sogar noch hygienischer als das Einkaufen im Supermarkt, denn dort kann jede Verpackung von allen Kund:innen berührt werden, während du im Unverpackt-Laden nur deine eigenen Behältnisse berührst. 

Wie lässt sich Zero Waste umsetzen?

Nun lässt sich einwenden, dass unverpacktes Einkaufen allein nicht die Lösung für eine müllfreie und plastikfreie Stadt und Welt sein kann. Auch Marie geht nicht davon aus, dass wir in absehbarer Zukunft wirklich absolut müllfrei werden können. Dennoch geht es darum, vermeidbare Abfälle zu umgehen. Wirtschaftlich betrachtet muss man sich dafür bereits vor der Produktion von Waren Gedanken um dessen Entsorgung machen, um möglichst müllfrei und ressourcenschonend zu produzieren. Unvermeidbare Abfälle, wie z.B. im Gesundheitswesen, sollten dann auch im besten Fall wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden können, also möglichst effizient recycelt werden.  

Was tut die Stadt Kiel für weniger Müll?

Die Stadt Kiel hat als eine der ersten Städte in Deutschland ein umfassendes Konzept für den Weg zu einer „Zero Waste City“ ausgearbeitet und veröffentlicht. Durch Mitarbeit vieler lokaler und regionaler Akteur:innen – unter anderem auch von Marie Delaperrière – wurde ein umfassender Maßnahmenkatalog erstellt, mit dem bis vorerst 2035 die Haus- und Geschäftsabfälle halbiert werden sollen. Ein ehrgeiziges Ziel, zu welchem jede:r Einzelne von uns beitragen kann! Das gesamte Zero Waste-Konzept der Stadt Kiel findest du hier. Die Zero.Waste.City Kiel ist Teil des Klimaschutz-Projekts der Stadt Kiel, denn Müllvermeidung ist immer auch Klimaschutz.

Zero Waste = Null Müll?

Das Konzept von Zero Waste wirkt auf viele Menschen radikal, utopisch und unrealistisch. Verständlicherweise – denn wenn man sich mal tatsächlich damit beschäftigt, wie viel Einwegartikel uns tagtäglich begleiten, kann man sich schnell überfordert fühlen. Maries Top-Tipp: Stress dich bloß nicht und versuche, von heute auf morgen das gesamte Leben auf den Kopf stellen. Das kann schnell frustrierend und demotivierend werden. Lieber einen Schritt nach dem anderen machen, auch mal wieder einen Schritt zurückgehen, wenn etwas nicht in dein Leben passt, dir nicht gefällt etc. 

Die goldene Regel: Sich nicht verrückt machen!

Starte vielleicht in der Küche mit trockenen Lebensmitteln, wie etwa Reis oder Nudeln. Eventuell entdeckst du deine Liebe zum Selbermachen und probierst mal, dein Deo selbst herzustellen. Möglicherweise verwirfst du einige Ideen auch schnell wieder, weil sie dir zu zeitaufwendig sind. Und auch das ist vollkommen in Ordnung! Zero Waste muss nicht null Müll bedeuten, wenn es nicht in dein Leben passt. In erster Linie geht es darum, sich der vielen Einwegprodukte und -verpackungen bewusst zu werden und nach möglichen Alternativen Ausschau zu halten. Auch in unserem Kieltopia-Team ist ein Satz von Marie ganz klar im Kopf geblieben: „die goldene Regel: sich nicht verrückt zu machen!“ 

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