Zukunftsmaterialien mit rematter - Seegras neuen Wert geben

Zukunftsmaterialien mit rematter

In dieser Folge geht es um ein Thema, was uns im Alltag eher selten über den Weg läuft: Mit rematter haben wir uns über Materialien und Werkstoffe unterhalten. Rematter möchte Seegras und anderen lokalen Reststoffen neuen Wert geben, und das Bewusstsein für eine Materialrevolution stärken.

Hier kannst du dir die Folge mit Christina und Lena anhören >>

Wer sind rematter?

Das 7-köpfige Team hat sich – genau wie wir – im Masterstudiengang Sustainability, Society and the Environment (SSE) zusammengefunden, um hier in Kiel einen lokalen Werkstoff aus Seegras herzustellen. Das kann dann eine lokale, nachhaltigere Alternative zu Materialien wie z.B. Plastik oder auch Holz bieten und unser Bewusstsein für den Wert solcher Materialien steigern.

Seegras als Wert- und Werkstoff?!

Es geht vor allem darum, dass Seegras hier ein lokaler Reststoff ist, der in großen Mengen zur Verfügung steht. Aktuell wird Seegras aufwendig als Sondermüll von den Stränden entfernt und entsorgt. Dabei hat Seegras viele tolle Eigenschaften, über die (leider) nur wenig gesprochen wird: Beispielsweise ist Seegras ein riesiger CO2-Speicher, der für die Regulierung des Klimas und damit auch im Kampf gegen den Klimawandel total wichtig ist. Wenn Seegras an den Küsten angespült wird, darf es in Deutschland auch für den „menschlichen Gebrauch“ genutzt werden. Seegras ist (fast) nicht brennbar, es schimmelt nicht und isoliert – perfekte Voraussetzungen, um als Wert- und Werkstoff Verwendung zu finden!

Wie arbeitet rematter mit Seegras?

Wann immer Seegras zur Verfügung steht, und das Team Zeit und Kapazitäten zum Sammeln hat, findet man rematter an den Kieler Stränden Treibsel einsammeln. Mit vollen Taschen geht es dann zu ihrer Werkstatt in die Strandfabrik, wo es entweder direkt gewaschen wird (um es von Sand und Algen zu reinigen), oder erst einmal direkt getrocknet wird. Danach wird es in verschiedene Größen geschreddert und mit verschiedenen, natürlichen Bindemitteln gemischt. Dann heißt es Experimentieren: von Erhitzen, über Pressen bis Schöpfen haben rematter schon viele Prozesse ausprobiert und erfolgreich weiterentwickelt.

rematter
Sechs der sieben Mitglieder von rematter (vlnr): Helene, Christina, Magdalena, Dorothee, Lena und Luzie. Bogdan, das siebte Mitglied, ist aktuell coronabedingt noch in Serbien.

Was stellt rematter aus Seegras her?

Aktuell experimentiert das Team vor allem für die Herstellung eines Werkstoffes – wie fest oder flexibel lässt sich Seegras verarbeiten? Wie groß- oder kleinteilig kann der Werkstoff aussehen? Perspektivisch können sich rematter aber vorstellen, auch eigene Produkte aus den Seegras-Werkstoffen herzustellen, etwa Hocker, Lampenschirme, Papier oder Boxen.

Was sind Zukunftsmaterialien?

Seegras bietet sich vor allem hier in Kiel als lokaler Reststoff für den Anstoß einer Materialrevolution an!

Es geht hier vor allem um natürliche Materialien, die biologisch abbaubar und lokal verfügbar sind. Bei der Herstellung von Plastik wird vorrangig Erdöl verwendet, was natürlich nicht wirklich nachhaltig ist. Aber auch Materialien wie Holz sind nur noch wenig nachhaltig, wenn sie erst einmal in großen Mengen produziert werden. Dafür werden z.B. Monokulturen angelegt, die die Biodiversität gefährden, und außerdem hat Holz oft extrem weite Transportwege bis zum Endkonsumenten. Seegras als ein solches Zukunftsmaterial bietet sich vor allem hier in Kiel als lokaler Reststoff für den Anstoß einer Materialrevolution an. Das Konzept lässt sich aber auch auf Materialien wie Kaffeesatz, Laub- oder Grasabfälle übertragen.

Anstoß und Inspiration für alternative Materialien

rematter wollen inspirieren! Mit dem Seegras in der Kieler Region machen sie auf unser Verständnis von wertvollen und (scheinbar) wertlosen Materialien aufmerksam. Ihr größtes Ziel ist es, damit mehr Menschen zu inspirieren, lokale Reststoffe mit anderen Augen zu sehen, ihnen neuen Wert zu verleihen, und neue Projekte entstehen zu lassen. Daraus erhoffen sie sich eine Community, die sich gegenseitig mit Informationen und Ideen zur alternativen Nutzung von Reststoffen versorgen kann.

Ziel ist es, lokalen Reststoffen neuen Wert zu geben!

Open Source für eine nachhaltigere Wirtschaft

Natürlich arbeitet auch rematter selbst daran, ihr Netzwerk mit verschiedenen anderen Projekten in der Region auszubauen. Christina und Lena erwähnen dabei vor allem MU Materials und Planterial, mit denen sie bereits in Kontakt stehen und sogar zusammen experimentieren. Es geht dabei hauptsächlich darum, neues Wissen zu schaffen und Wege zu finden, alternative Materialien nutzbar zu machen. Dieses Wissen wollen rematter dann auch open source, d.h. frei für alle abrufbar, zur Verfügung stellen. Nur so kann ihrer Meinung nach der Anstoß gelingen, lokalen Reststoffen in allen möglichen Regionen neuen Wert zu geben.

Was kann jede:r von uns tun, um zur Materialrevolution beizutragen?

Christina nennt hier vor allem das Ziel der Müllvermeidung: Hauptsächlich können wir versuchen, Verpackungen und (neue) Produkte aus Kunststoffen zu vermeiden. Hier kann man bspw. auf Zertifikate und Label achten, im Unverpackt-Laden einkaufen (hier lang zur Folge über Müllvermeidung>>), oder unterwegs sein eigenes to-go-Equipment (Becher, Beutel etc.) dabeihaben. Bei der Frage nach den Materialien selbst braucht es aber im Vorfeld ziemlich viel theoretisches Wissen, was sich vermutlich nicht jede:r  aneignen kann/möchte. Wer darauf aber Lust hat, kann z.B. damit starten, einmal Papier selbst schöpfen! Außerdem freut sich das Team von rematter immer über kreative Ideen, wie man Seegras (oder andere Reststoffe) besser nutzen kann!

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